Schultergelenke

Bei der Implantation von künstlichen Gelenken, den so genannten Endoprothesen, haben Medizin und Wissenschaft in den vergangenen Jahren grosse Fortschritte erzielt, was insbesondere für den Schultergelenksersatz zutrifft.

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Eine moderne Schulter-Endoprothese wurde entwickelt, um die Beweglichkeit des Schultergelenkes zu verbessern und die Schmerzen zu verringern. Das Schultergelenk ist als beweglichstes Gelenk des menschlichen Körpers schwierig zu reproduzieren. Erst vor wenigen Jahren ist es gelungen, mit der 4. Generation Schulter-Endoprothesen ähnliche Resultate zu erzielen wie bei der modernen Hüft- und Knieimplantation.

Moderne Schulter-Endoprothesen ermöglichen die Wiederherstellung der individuellen Winkel- und Grössenverhältnisse des Oberarmkopfes und der Gelenkpfanne, die bei jedem Patienten anders sind.

Durch ein künstliches Gelenk kann der verschlissene Knorpel am Oberarmkopf und wenn erforderlich auch an der Gelenkpfanne ersetzt werden. Wird nur der defekte Knorpel am Oberarmkopf ersetzt, verwendet man eine Oberarmkopfprothese. Wird zusätzlich auch die Gelenkpfanne ersetzt, spricht man von einer Schulter-Total-Endoprothese. Dabei ist es sehr wichtig, dass die anatomischen Verhältnisse optimal sind: Nur wenn die Schultermuskulatur und die Sehnen uneingeschränkt funktionieren, kann eine normale Endoprothese eingesetzt werden. Weisen der Oberarmkopf und die Gelenkpfanne schwere Knorpelschäden und eine deutliche Deformierung auf, sollten in der Regel beide Gelenkteile ersetzt werden.

Patienten mit einer Schulter-Total-Endoprothese haben in der Regel deutlich weniger Schmerzen und eine bessere Gelenkbeweglichkeit als Patienten mit einer Oberarmkopfprothese. Der Ersatz der Pfanne bei sehr steifen Gelenken oder bei Patienten mit hoher Schulterbelastung und schweren Knochensubstanzverlusten an der Pfanne ist nicht in allen Fällen möglich. Der Pfannenersatz wird in den meisten Fällen über Zapfen oder einen Kiel auf der Rückseite der Pfanne in den Knochen einzementiert. Sind einmal eingesetzte Gelenkpfannen nach Jahren "gelockert" (lösen der Verbindung des Knochens zum Metall), müssen diese entfernt werden. Wenn möglich werden sie durch ein neues Pfannenimplantat ersetzt.

Umgekehrtes Schultergelenk / inverse Schulter-Endoprothese

Besteht neben der Omarthrose eine ausgedehnte Schädigung der Rotatorenmanschette, so dass die Bewegung des Armes nur noch eingeschränkt möglich ist, kann eine spezielle Endoprothese erforderlich sein. Die inverse (umgekehrte) Endoprothese ist für die Gelenkbewegung nicht auf die Rotatorenmanschette angewiesen. Der Prothesenkopf wird, anders als bei den herkömmlichen Schulter-Total-Endoprothesen, in der Gelenkpfanne verankert.

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Das biomechanische Prinzip der inversen Endoprothese besteht in der Vordehnung des oberflächlichen Deltamuskels, der so mehr Kraft bei der Abspreizung des Armes entwickeln kann. Die fehlende Kraftentwicklung der geschädigten Rotatorenmanschette kann ausgeglichen und der Arm trotzdem angehoben werden. Die Verankerung des Endoprothesenkopfes in der Gelenkpfanne erfolgt zementfrei mit Hilfe von Schrauben. Im Oberarm wird die Endoprothese meistens mit Knochenzement verankert. Im oberen Anteil der Oberarmendoprothese wird eine Gleitschale aus Polyäthylen eingelegt, die so um den Kopf gleiten kann. Die inverse Endoprothese wird meist bei Patienten ab dem 65. Lebensjahr eingesetzt, vorausgesetzt, die Deltamuskulatur ist unversehrt und eine gute Knochensubstanz zur stabilen Verankerung des Endoprothesenkopfes in der Schulterpfanne besteht.

Ich benutze meistens Produkte der Firma "Zimmer“, die so genannte "Anatomical" und "Revers Anatomical Shoulder“. Beide Prothesensysteme wurden durch meinen ehemaligen Chef und Lehrer Prof. Dr. med. Christian Gerber an der Universitätsklinik Balgrist in Zürich entwickelt.

Sie haben sich für die Operation entschieden

Der Erfolg einer Operation und der Heilungsprozess hängen wesentlich von Ihrer Mitarbeit ab. Durch eine richtige Vorbereitung und entsprechende Vorsichtsmassnahmen können Sie Risiken entscheidend verringern. Dazu gehört, wenn nötig, die Verbesserung Ihres Allgemeinzustandes: Verzichten Sie auf Tabak und Zigaretten (Wundheilungsstörungen) und reduzieren Sie Ihr Übergewicht. Für eine schnelle Rehabilitation ist es hilfreich, wenn Sie sich bereits vor der Operation mit den krankengymnastischen Übungen und dem Umgang mit Gehhilfen vertraut machen. Aspirin-Präparate sollten nach Absprache mit dem Hausarzt wenn möglich abgesetzt werden, um ein erhöhtes Blutungsrisiko zu vermeiden. Eigene Blutspenden vor einer Operation sind nicht notwendig. Nur wenn ein erhöhtes Blutungsrisiko besteht, kann in speziellen Fällen während der Operation durch ein System ihr Blut gesammelt, gefiltert und Ihnen später wieder zugeführt werden. In den wenigsten Fällen ist es notwendig auf Fremdblut zurückzugreifen, dies natürlich nur in Absprache mit Ihnen.

Angaben, Fotos und Informationen wurden von den Firmen Depuy & Johnson sowie Zimmer zur Verfügung gestellt und übernommen.

Dr. med. Martin Bühler • Schaffhauserstrasse 6 • 8400 Winterthur • Tel +41 52 260 37 00 • www.buehler-ortho.ch